über´n Autor

Also, irgendwie wisst ihr jetzt alle, wie meine Kindheit, meine Jugend und mein Coming-out war. Oder zumindest wissen es diejenigen von euch, die das Buch mindestens einmal gelesen haben. Und hey, ich finde, es ist schon längst überfällig, dass wir alle mal erfahren, wer eigentlich hinter diesem Schmöker steckt, welche Storys in der Story autobiografisch sind, und welche rein fiktiv. Und wer ist überhaupt der Schreiber, der sich diese ganze Geschichte ausgedacht hat? Ist es ein alter Tattergreis, ähnlich wie die leberbefleckte Schrumpelkuh Berta auf Krimhilds Geburtsagsfeier? Oder ist es vielleicht ein recht junger Hüpfer, wie der proletenhafte und dennoch so liebenswerte Macho-Dään, der im Sprücheklopfen Weltmeister sein könnte und jedes Madl angräbt, das halbwegs in sein Beuteschema passt? Womöglich ist es aber auch so ein Pfundskerl wie der Judo-Alex. Oder so ein Hallodri wie der Chipsletten-Toni. Leut´, seid´s gespannt! Ich hab´s geschafft, den Herrn Autor ausfindig zu machen, hab mich mit ihm auf eine halbe Bier - oder zwei - getroffen und ihm Löcher in den Bauch gefragt. Hier das Sitzungsprotokoll aus dem Dorfkrug:

Hey, Torsten. Da hast du dir ja eine lustig-illustre Geschichte zusammengestrickt - mit mir als Hauptdarsteller. Das hätte ich nie im Leben gedacht, dass ich einmal eine so große Rolle übernehme. Wie kam es eigentlich zur Idee des Buches und wie lange hast du daran geschrieben?

 

Die Idee schlummerte schon lange in meinem Kopf. Die Überlegung war immer: Schreibe ich ein Buch über die 80er und 90er Jahre oder eine Coming-out-Geschichte? Ich entschied mich für Variante eins und legte die Gay-Story in meinen geistigen Ablageordner. Als ich nach einigen Entwürfen der ersten Seiten jedoch festgestellt hatte, dass ich nicht der erste bin, der über diesen Zeitraum ein Werk verfasst, dachte ich: Hm, das Rad neu erfinden kannst du zwar nicht, aber mit "Kassettenkinder" der hochgeschätzten Kollegen Anne Weiss und Stefan Bonner gibt es ja schon ein Buch, das sich ausschließlich mit diesem Retro-Thema befasst. Wobei ich sagen muss, dass ich "Kassettenkinder" nie gelesen habe. Bewusst, um Doppelungen zu vermeiden. Ich wollte ja kein Copy/Paste machen. Tagelang passierte nichts, ich schrieb keinen einzigen Buchstaben. Bis mir eines nachts der Gedanke kam: Moment mal, was ist denn mit einer Coming-out-Story, die in dieser Zeit spielt? Ich schüttete beide Zutaten in einen imaginären Mixer, ließ alles auf Stufe fünf kräftig durcheinanderwirbeln und raus kam: Friede, Freude, Coming-out.

 

Die reine Zeit des Schreibens lässt sich allerdings schwer sagen. Immer, wenn ich nach der "normalen" Arbeit Zeit hatte, setzte ich mich ran ans Werk. Und als die Idee der Geschichte reif und reifer wurde in meinem Kopf, lief alles wie von selbst. Es mögen mir meine Freunde verzeihen, denen ich oft mit der Begründung "Ich muss leider heute Abend arbeiten" abgesagt habe, ohne zu erwähnen, dass ich an meinem ersten, eigenen Buch schreibe. Ich habe sehr viele Treffen gecancelt, wollte mich abends einfach nur noch zuhause hinter meinem Schreibtisch verkriechen und den Roman fortführen. Ich schätze einmal vorsichtig, dass ich knapp vier Monate ausgiebig mit Plotten und Schreiben beschäftigt war. Danach hab ich das Buch überarbeitet beziehungsweise Feinschliff betrieben, die Kapitel "rund" gemacht, Denkfehler redigiert, Anschlussfehler korrigiert und, und, und... Und: Anfang Dezember 2017 war es fertig. Was ich - im Nachhinein betrachtet - etwas schade finde: Ich habe keine Rohfassung des Erstwerks, da ich Änderungen am Buch immer direkt gespeichert habe. Es liegt eine Version aus November 2016 auf meinem Rechner. Das ist eine der ersten Versionen, aber nicht die allererste.  

 

Du, Torsten. Darf ich dich mal etwas total Bescheuertes fragen? Ja? Prima. Wie viel Prozent Tim stecken eigentlich in dir? Ups, sorry, das war jetzt beim Thema Gay-Story etwas - äh - unglücklich formuliert. Noch mal von vorne: Wie viel haben du und ich gemeinsam und welche Elemente des Romans hast du tatsächlich persönlich erlebt?

 

Gute Frage, nächste Frage. Zumindest, was die Prozentzahl angeht, kann ich das äußerst schwer sagen. Aber ich denke, dass wir charakterlich ziemlich ähnlich sind: ruhig, aber nicht langweilig. Abenteuerlustig, aber nicht draufgängerisch. Gutgläubig, aber nicht naiv. Verrückt, aber nicht durchgeknallt.

Du hast einen kleinen Hund, Grisu. Ich habe einen kleinen Hund, Paulchen. Ein Foto hab ich zwar gerade nicht hier im Dorfkrug dabei, aber du findest eins auf der Homepage. Der Hund auf dem Buchcover - da war Paulchen übrigens die Vorlage.

Du bist auf dem oberbayrischen Land aufgewachsen, ich auf dem niederbayrischen. Ebenfalls wohlbehütet, wie man so schön sagt. Und auch ich habe eine Schwester. Nicht Franzi, sondern Simone, die fast vier Jahre älter ist als ich. Allerdings war ich nie im österreichischen Nirwana, kenne kein älteres Paar, das den Kirchbichlers ähnelt - und auch eine Berta ist mir (Gott sei Dank) fremd. Auch arbeite ich nicht im Bereich Eventmanagement.

 

Ein Iglu aus den Schneemassen unseres Gartens habe ich aber tatsächlich einmal gebaut. Und was ich zu 95 Prozent genauso erlebt habe wie du, ist die Nummer mit dem Polizisten und der Führerscheinkontrolle. Jedoch nicht auf dem Weg nach München, sondern im Kölner Stadtverkehr. Und im Vergleich zu dir musste ich tatsächlich anrücken, um mir die Fingerabdrücke abnehmen zu lassen.  

 

Torsten, wie viel - in Anführungszeichen - Verschnitt gab es eigentlich? Also, wie viele Seiten oder Kapitel hattest du geschrieben, die letztendlich dann im Schredder und nicht im Buch gelandet sind? Und: Hast du sie noch? 

 

5.677 Wörter beziehungsweise 37.7474 Zeichen. Oder anders: 25 DIN-A-4-Seiten. Wobei ich natürlich sagen muss, dass es oft nur vier- bis fünfzeilige Absätze waren, die im schriftstellerischen Aktenvernichter gelandet sind. Manchmal waren es auch nur einzelne Sätze - wobei das doch eher die Ausnahme war. Meist verschwanden in der Tat halbe Kapitel im laptop´schen Mülleimer. Und bevor dich jetzt die Leser fragen, Tim, ob ich dir diese "never read before"-Szenen überlassen habe? Ja. Ein paar davon hab ich dir gegeben, die du veröffentlichen kannst. Wenn ich mich nicht irre, sind sie hier auf der Homepage zu finden.

 

Ach so, Torsten. Was mir noch einfällt: Wie kamst du auf die Namen der Protagonisten im Buch? Ich habe mal gehört, dass das für einen Autor immer eine ziemliche Herausforderung ist, weil man ja keinen persönlichen Bezug mit Leuten herstellen möchte, die man kennt. Und Baching - das ist ja wie Bielefeld: Das gibt´s gar nicht, oder?

 

Ach ja, das beschaulich-idyllische Baching... Ist es nicht schön da? Sorry, ich gerate schon wieder ins Schwärmen, wenn ich an eure heißen Sommer am Baggerweiher, an die kalten und feucht-fröhlichen Winterabende im Dorfkrug und eure Geburtstagsfeier denke, Tim. Wie ich auf den Ortsnamen Baching kam? Dafür gibt es eine recht plausible Erklärung. Da in Bayern viele Dörfer und Städte auf "ing" enden und es in Bayern viel Natur, also viele Bäche, gibt, lag Baching nahe. Ich wusste von Anfang an, dass ich eure Geschichte im oberbayrischen Alpenvorland spielen lassen wollte, im Dunstkreis von Starnberg. Bezüglich der geografischen Lage kommt das fiktive Baching dem realen Penzberg recht nahe. Aber nur in Sachen Lage, nicht in Sachen Optik. Denn das Ortsbild von Baching schuf ich 1:1 in meiner Fantasie.

Jetzt willst du bestimmt auch wissen, Tim, ob du von Beginn an der Tim warst, und nicht etwa ein Markus oder Tobias. Ja, Tim, du warst von Anfang an der Tim. Ich wollte einen Namen, der zu dieser Zeit nicht in jeder bayrischen Familie vorkam und der trotzdem irgendwie süß, niedlich, sympathisch klingt. Dein Nachname Gerlacker ist allerdings der mindestens vierte. Jedoch habe ich es versäumt, die vorherigen Namensideen zu Papier zu bringen. Ich weiß noch: Wagner war einer davon.

Lukas hieß auch schon immer Lukas. Ich fand und finde, die beiden Namen passen gut zusammen, haben etwas Vertrautes, nichts Schelmisches, aber dennoch Cooles an sich. Tim und Lukas. Bei deinen Eltern hatte ich erst keine Idee, bis mir die Sätze "Papa Josef. Mama Maria. Und ich? Nein, ich heiße nicht Jesus!" spontan einfielen. Und glaube mir oder nicht, aber es ist wirklich ein Zufall, dass meine Eltern Franz-Josef und Maria-Luise heißen!

 

Die Namen der Dorfclique kamen während des Schreibens. Um einen Wiedererkennunsgwert zu generieren, hab ich dem Leser ein paar Eselsbrücken eingebaut. So heißt Toni nicht einfach nur Toni, sondern Chipsletten-Toni. Und der Alex ist der Judo-Alex, wie die Anne die Gitarren-Anne und der Dään der Macho-Dään ist. Und so weiter. Opa Xavers Name ist komplett erfunden, wobei Oma Seffa eine Anlehnung an die ZDF-Serie "Ich heirate eine Familie" ist, in der eine Joseffa vorkam. Sie war die Haushälterin von Onkel Rudolf aus Wien, dem Onkel von Patchworkpapa Werner Schumann.

 

Erzähl mal, Torsten. Wie aufwendig war die Recherche, was die 80er und 90er Jahre angeht? Du hast ja unheimlich viele Chart-Songs aufgeführt, hast tief in den Klamottenkisten der Kaufhäuser gewühlt und doch sicher zig Fernsehzeitschriften aus anno dazumal durchforstet.

 

In einem Wort: aufwendig. Vor allem, weil ich die Geschichte zunächst im Jahr 1989 beginnen ließ - und nicht in dem Jahr, in dem sie nun beginnt: 1987. Aus den verschiedensten Gründen entschied ich mich dazu, sie vorzudatieren. Im Jahr 1987 passierte musikalisch gesehen mehr, die 80er waren in ihrer Blütezeit, die TV-Shows auf ihrem Höhepunkt und die 90er waren 1987 noch ein Stück weiter weg als 1989. Ergo musste ich sämtliche Musiktitel, die in den Charts vertreten waren, aktualisieren. Ich musste die Ereignisse anpassen, die Fernsehsendungen neu recherchieren und natürlich alle Ausstrahlungsdaten und Veröffentlichungstermine von Langspielplatten etc. neu erforschen. Alles in mühsamer Sisyphusarbeit, da das Manuskript ja schon so gut wie fertig war. Alle Daten, die im Buch vorkommen, sind übrigens authentisch. Sprich, der Bud Spencer & Terence Hill-Streifen lief tatsächlich am 23.07.1987 als ZDF-Wunschfilm. Auch das Pink Floyd-Konzert fand am 04.08.1994 im Münchner Olympiastadion statt. Und "Zum Blauen Bock" mit Heinz Schenk lief am Tag des Adventssingens, am Samstag, den 19.12.1987, mit den im Buch erwähnten Gästen.

 

Darf ich dir mal was sagen, Torsten? Ich war ja schon ein bisschen angesäuert, als ich gelesen habe, dass du meinen Kumpel, den Chipsletten-Toni, den Buchtod sterben hast lassen. Musste das denn sein?

 

Wehmütig denke ich an ihn, den Chipsletten-Toni. Wie viel Spaß hat er uns allen doch bereitet... Unvergessen sind seine Auftritte als DJ auf eurer Geburtstagsfeier, Tim. Und unvergessen sind auch seine Anbaggerversuche, die Rudy aus Pennsylvania rumzukriegen. Wir haben viel gelacht mit Toni. Und am Ende viel geweint. 

Ja, Tim. Tut mir wirklich sehr leid um Toni. Aber wie du weißt, gibt es in jedem Roman Helden. Und manch ein Held muss ihn sterben, den Heldentod. In dem Fall war es der Toni, der Chipsletten-Toni.

 

Lass uns doch mal in der Zukunft rumspinnen, Torsten. Wenn Hollywood anrufen würde, um das Buch zu verfilmen - wer sollte deiner Meinung nach welche Rolle übernehmen?

 

Gibt´s in Amerika so schöne Kulissen wie den Ort Baching? Ich glaube nicht. Deshalb weiß ich gar nicht, ob Produktionsfirmen aus Hollywood die richtigen Ansprechpartner wären. 

Ich bin durchaus ein Fan deutscher Filme - wenn sie gut gemacht sind! Also, wenn Plot und Drehbuch stimmig, die Schauspieler gut gecastet und die Locations gut gewählt sind. Somit könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Profis wie Marcus H. Rosenmüller oder Marco Kreuzpaintner die Richtigen wären, sich dem Stoff anzunehmen. Wobei ich in einem Atemzug hinzufügen möchte, dass ich die Hand übers Drehbuch und den Cast haben wollen würde. Es gibt so viele gute Bücher, die filmisch miserabel-desaströs bis verheerend-katastrophal umgesetzt wurden. Wer dich, Tim, spielen oder wer Lukas, Traudl oder Franzi verkörpern würde - da hülle ich mich besser mal in Schweigen, da ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht habe.  

 

Ich verrate dir mal was, Torsten. Das Cover finde ich wirklich klasse. Bei wem kann ich mich denn bedanken, dass er mich optisch so gut getroffen hat?

 

Die Covergestaltung habe ich einem jungen Grafiker überlassen. Ein Münchner, ein Illustrator. Er hat meinen Foreneintrag an der Münchner Kunstakademie gelesen, in dem ich einen Grafiker o.ä. für die Gestaltung meines Buchcovers suchte. Er war der erste von knapp 40 Leuten, die mir geschrieben hatten. Und meines Achtens auch der beste. Als ich kurz vor Weihnachten 2017 in München zu Besuch bei meiner Familie war, arrangierte ich ein Treffen mit ihm. Er kam und nahm die von mir gemalte Covervision mit. Gemalt? Gut, das wäre übertrieben. Ich kann leider überhaupt nicht zeichnen und habe halt einfach versucht, meine Idee mit der Kassette zu Papier zu bringen, um ihm einen grafischen Leitfaden an die Hand zu geben. Wie meine Vorlage als Gekrizzle aussah, kannst du übrigens hier links sehen. Hut ab vor Illustrator Philipp, der ein großartiges Cover gezaubert hat - und das, obwohl er Kassetten nur vom Hörensagen kennt. Denn als diese in waren, erblickte er gerade mal das Licht der Welt.

 

Äh, mal eine ganz blöde Frage, Torsten. Warum hast du das Buch als eBook veröffentlicht und nicht direkt mit Hilfe eines großen Verlages?

 

Im Nachhinein betrachtet denke ich, dass große Verlage einfach nicht den Mumm hatten, das Buchprojekt umzusetzen. Ich habe das Manuskript vielen Verlagen angeboten. Die meisten hatten gar nicht erst geantwortet. Die, die sich zurückgemeldet hatten, schrieben ganz lapidar eine Absage. Standard. Aber ich kann es schon nachvollziehen, Tim. Guck dir den Musikmarkt an. Schick da mal als No-Name-Band ein Mixtape an eine Plattenfirma. Entweder hört es sich keiner an - oder du bekommst einen Korb. Viele Stars werden im Internet geboren. Nicht nur Musikstars.

Aber zurück zu den Verlagen: Ich vermute, ihnen war das Thema Coming-out zu heikel. Sie dachten wohl, dass meine Geschichte sich nur an die Zielgruppe der Gay-Community richtet. Dabei ist das eher die Randgruppe. Denn der Roman ist zu 30 Prozent eine Kindheit in den 80ern, zu 40 Prozent eine Jugend in den 90ern, und nur zu erneut rund 30 Prozent eine Coming-out-Story. Klar, das erklärte Ziel im Roman ist natürlich, dass du und Lukas die gegenseitige Liebe öffentlich machen. Und man ist als Leser natürlich gespannt darauf, wie Familie, Freunde & Co. reagieren. 

 

Psssst, Torsten, mal unter uns: Wer ist - außer ich natürlich! - dein Lieblings-Charakter im Buch, und wen kannst du so gar nicht leiden?

 

Klar, Tim. Dich konnte ich nach Lust und Laune so kneten und formen, wie es mir gefiel. Das Schöne an so einem Buch ist ja, dass man als Autor alles mit seinen Protagonisten machen kann, was man will - und die können sich nicht wehren. (lacht) Aber ich denke, du kannst ganz zufrieden sein mit deiner Entwicklung, stimmt´s?

Also, wer mir - nebst dir - noch ganz besonders ans Herz gewachsen ist, ist natürlich Lukas. Er ist ein herzensguter Junge mit Humor, lockeren Sprüchen, aber auch der gewissen Ernsthaftigkeit, wenn von Nöten.

Auch wenn er nicht mehr unter uns weilt, so ist mir auch Chipsletten-Toni sehr ans Herz gewachsen. Seine immer witzige und niemals ernste Art, den ganzen Dorfkrug zu unterhalten. Er, der sich selbst nie für voll nahm. Er, der immer im Mittelpunkt stand, und das, obwohl er gar nicht groß um die Gunst buhlen musste. Er, der stets aus jeder noch so prekären Situation das Beste machte. Man erinnere sich nur ans Bachinger Schützenfest, als Toni eine frisch gezapfte Maß aufgetrieben hatte - woher auch immer -, die bei allen der Dorfclique für feuchte Kehlen sorgte.

 

Und dann gibt´s da noch den Daniel, pardon, den Dään, der in Wirklichkeit zwar Daniel heißt, den aber alle nur Dään nannten. Was im Buch nicht steht und was bisher somit niemand weiß: Warum Dään und nicht Daniel? Weil dieser Junge namens Daniel so oft Mist gemacht hat, den sein Gegenüber nur mit einem Augenrollen abtat und mit einem abwinkenden "Daaaaaniel" kommentierten. Als Chipsletten-Toni mal wieder gut einen im Tee hatte, brachte er kein "Daaaaaniel" heraus, sondern lediglich ein verhickstes "Dääääänl". Und aus " Dääääänl" wurde Dään.

 

Und natürlich gibt´s noch Grisu, deinen Hund, den wirklich wahren Star der Story!

So, ihr Lieben. Jetzt brauchen Torsten und ich erst mal eine Pause.

 

"Traudl, noch zwei Halbe, bitte!" 

 

Sobald wir die gekippt haben und ich den Torsten beim Kickern hier im Dorfkrug besiegt habe, könnt ihr den zweiten Teil des Interviews lesen. Darin geht´s dann weniger ums Buch und mehr um die Person, die mich zum buchstäblichen Leben erweckt hat.


So, Torsten. Jetzt haben wir über mich und das Buch geplaudert. Ich bin mir sicher, die Leser wollen auch etwas über dich wissen. Schieß los!

 

Also, es war einmal ein junger Bub, der 1978 in Niederbayern geboren ist, 1999 von zuhause auszog und seit 2005 in Köln lebt - beziehungsweise in Hürth, einem recht familiären Nachbarort - und sich dort pudelwohl fühlt. Allerdings weiß ich nicht, ob ich in zehn oder 15 Jahren noch hier wohne. Wie gesagt, ich fühle mich wohl. Aber ich glaube, dass ich irgendwann wieder back to the Roots gehe: Zurück zum Weißwurst-Äquator. Klar, schöne Natur gibt´s auch hier, wie die Eifel oder das Bergische Land. Aber mir fehlen dann schon ein bisschen die Berge, die Idylle einfach, die Ruhe. Und die Sprache! Ich kann getrost behaupten, des Hochdeutschen zu 99,9 Prozent mächtig zu sein, freue mich aber immer, wenn ich daheim mal wieder bayrisch reden kann. Dahoam is´ halt dahoam. Momentan ist die Zeit aber noch nicht reif, die Zelte hier abzubrechen.

Kurz und knapp: dein Lieblingsplatz zu Hause?

Kurz und knapp: meine Dachterrasse.

 

Wo hältst du dich im Sommer gerne auf - außer auf deiner Terrasse?

In der Natur. Mit im Gepäck: mein Hund Paulchen.

 

Und im Winter? 

In der Natur. (lacht) Als Hundebesitzer bin ich sozusagen wetterfest. Klar macht es mir mehr Spaß, bei Schnee und strahlend blauem Himmel durch die hügelige Eifel zu wandern. Aber solange es nicht stürmt und hagelt, bin ich gerne unterwegs. Ich brauche diese Auszeit auch, um runterzukommen und um die Kreativität anzukurbeln. Den Schalter im Kopf für eine Stunde auf null zu stellen. Sommer wie Winter liebe ich zum Beispiel den Kalscheurer Weiher, ein Naherholungsgebiet im Kölner Süden. Hier entstanden viele, viele Ideen des Buches. Hier findest du mich eigentlich zwei- bis dreimal pro Woche. Falls du und Grisu also mal mitkommen wollen...

 

Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen?

 

Ich habe bereits im Jugendlichenalter festgestellt, dass mir das Kreativsein liegt. Und das Schreiben ganz besonders. Ich schrieb Artikel über Veranstaltungen für verschiedene Musik-Zeitschriften, verfasste Plattenkritiken und mit Ende 20 rutschte ich in die Maschinerie des TV-Wahnsinns. Dort entdeckte, förderte und forderte mich mein "Fernseh-Ziehpapa" und vertraute mir sämtliche Texte an, die zu schreiben waren. Ich verfasste Sprechertexte für diverse Unterhaltungs- und Showformate, Moderationstexte für Entertainer, Pressetexte und noch so einiges mehr. 2009 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit, in der ich bis heute mein täglich´ Brot verdiene. Hinzu kamen vor geraumer Zeit neue Projekte, wie die textliche Gestaltung von Webseiten für kleine und mittelständische Unternehmen, PR- und Werbetexte für Event-Agenturen und ich bin als Autor und Redakteur für die Rubrik "Events" eines großen, deutschen Musikmagazins zuständig und führe auch Interviews.

 

Welches Zitat hättest du am liebsten selbst gesagt? 

 

"Platz ist das einzige, was man nehmen darf, ohne sitzen zu müssen." (Heinz Erhardt)

 

 

Wenn du mich nicht gerade mit Lukas das Coming-out durchleben lässt - womit verdienst du sonst so deine Brötchen? 

 

 

Siehe Frage "Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen?". Ergänzend könnte ich vielleicht noch erwähnen, dass ich immer für alles Kreative offen war und bin, was das Schreiben angeht. Wichtig war und ist mir nur, dass es keine langweiligen Texte sein müssen, die gefordert werden. Ich liebe Wortspiele, das Jonglieren mit der deutschen Sprache sozusagen. Ich mag gut lesbare, humorvolle und leicht verständliche Texte, ohne dass diese plump, simpel, langweilig und stupide wirken. Das habe ich auch versucht, in deiner Lebensgeschichte umzusetzen, Tim.

 

 

Ich liebe ja meinen Seat Ibiza, die Asphaltpartys mit Lukas auf den bayrischen Highways, die Partynächte mit ihm im Kunstpark Ost in München, den Dorfkrug und die Clique, mit der wir immer abhängen, kickern, darten und uns eine Halbe nach der anderen von Wirtin Traudl ausschenken lassen. Was machst du so, wenn der Feierabend eingeläutet ist?

 

Die meiste Zeit verbringe ich - wie du auch - mit Freunden. Allen voran mit meinem besten Freund. Mit ihm und Paulchen fahre ich gerne raus in die Natur, wir machen Städtetrips, touren mit dem Wohnmobil durch die österreichischen Berge, lassen uns die spanische Sonne auf den Pelz scheinen oder sind einfach zuhause bei mir. Ich liebe es, Leute einzuladen, mit ihnen bis tief in die Nacht zu grillen, bei völlig sinnlosen Gesprächen lauthals zu lachen, in meiner Hängematte zu liegen oder einfach in den wolkenfreien Sommerhimmel zu gucken. Ich kann mich aber ohne Probleme auch ganz allein zuhause zurückziehen, mich mit der Wärmflasche aufs Sofa kuscheln, mich in die Wolldecke einwickeln und Filme oder Serien zu streamen.  

 

Wenn du mich fragst, geht doch nichts über einen Schweinebraten mit Semmelknödel. Dazu ein Weizen. Wenn bei dir der Magen knurrt, gibt´s was auf den Teller?

 

Ui, ja. Ich liebe Schweinebraten mit Semmelknödel und Sauerkraut. Das Weizen, das du nimmst, dazu sag ich auch nicht Nein. Ansonsten liebe ich auch die Trattoria um die Ecke. Auch dem griechischen Essen bin ich absolut nicht abgeneigt. Und was das chinesische Buffet mit mongolischem Grill angeht: lecker! Tapas, Enchiladas oder generell die mexikanische Küche: ein Traum. Aber ganz besonders freut sich mein Magen, wenn er in Bayern mal wieder knusprige Brezen bekommt. Oder ein Wiesn-Hendl, einen Obatzda oder eine ganz stinknormale Leberkäs-Semmel.  

 

2002 - also in acht Jahren - werde ich meine eigene Eventagentur place2be gründen und zum Erfolg führen, wie im Buch nachzulesen. Was wäre beruflich dein größter Wunsch?

 

Das ist einfach: weitere Bücher schreiben. Gerne eins, das sich so häufig verkauft wie Harry Potter. (lacht) Wie beispielsweise die Fortsetzung deiner Geschichte. Ich habe aber auch noch ein paar andere Ideen im Hinterstübchen.

 

 

Obwohl der erste Teil von "Zurück in die Zukunft" schon neun Jahre her ist, finde ich den Film immer noch spitze. Was läuft bei dir zuhause so auf der Mattscheibe und wer guckt mit?

 

Du wirst lachen, Tim, aber die "Zurück in die Zukunft"-Trilogie habe ich tatsächlich auch zuhause. Ansonsten mag ich total gerne Horrorfilme wie die Neuverfilmung "Es", witzige Actionstreifen wie "Knight & Day", klamaukartige Filme wie "Die nackte Kanone", den wirklich sehr lustigen Film "Willkommen bei den Hartmanns" und den durchgeknallten Blockbuster "The Wulf of Wallstreet". Ich kenne fast alles von Loriot, Roseanne, Knight Rider, Nikola und Ritas Welt auswendig. Ich finde Serien wie "Homeland", "The good Wife", "Shameless", "Mord mit Aussicht" oder "Pastewka" großartig. Und ab und zu brauche ich dieses Vertraute, Idyllische, Schnulzige und hole mir mit "Forsthaus Falkenau" und "Der Bergdoktor" meine Heimat in mein nordrhein-westfälisches Wohnzimmer. (lacht und zuckt peinlich berührt mit den Schultern)

 

 

Lukas hat im Dorfkrug "T92L" ins Tischbein geritzt. Hat für dich auch schon einmal jemand so etwas gemacht?

 

Also, mir hat mal jemand einen Kuchen gebacken. Meine Mutter! (lacht) Na gut, mal im Ernst: Nein, diese liebevollen Kleinigkeiten haben sich in meinem Leben tatsächlich nicht ereignet.  

 

Lukas und ich sind ja absolute Fans von Musik aus den 90ern und von Techno aus dieser Dekade. Wenn ich bei dir mal einen Blick ins Plattenregal werfen dürfte, was würde ich da finden?

 

Knapp 2.000 CDs, 600 Platten und roundabout 200 Musik-DVDs / Konzerte. Wobei ich sagen muss, dass die CDs eine art musikalische Zeitreise sind. Begonnen zum Zeitpunkt, als ich mit dem CD-Kaufen startete - das muss so Anfang der 90er gewesen sein - bis hin zum Heute. Die Platten sind ein Relikt aus den 90ern und allesamt im Genre der elektronischen Musik angesiedelt. Generell bin ich ziemlich breit aufgestellt, was Musik angeht. Ich mag von Trance bis Techno, von Rock bis Pop, von Jazz bis Chanson sehr viel.

Im Regal steht zum Beispiel Musik von Adele, Agnes Obel, Air, Andreas Bourani, Angus & Julia Stone, AweX, Barry White, Birdy, Blank & Jones, Bob Dylan, Bonnie Bramlett, C & C Music Factory, Cat Stevens, Chemical Brothers, Claudia Koreck, Clueso, Cosmic Gate, Creedence Clearwater Revival, David Gilmour, DePhazz, Deadmau5, Deichkind, Depeche Mode, Der Dritte Raum, Diana Krall, Die CubaBoarischen, DJ BoBo, DJ Hell, Django 3000, Elton John, Enigma, Faithless, Fatboy Slim, Felix da Housecat, Ferry Corsten, Fredl Fesl, Future Breeze, Glen Hansard, Gloria Estefan, Groove Armada, Haindling, Hannes Wader, Hubert von Goisern, Jake Bug, Jam & Spoon, Jamie Cullum, Jamiroquai, Jean-Michel Jarre, Joe Cocker, Johannes Heil, Johnny Cash, Josh Gabriel, Katie Melua, Keller Steff & Band, Klangkarussell, Klaudia Gawlas, Konstantin Wecker, Kosheen, Kyau & Albert, LaBrassBanda, Lambchop, Lana del Rey, Lauryn Hill, Leonard Cohen, Lexy & K-Paul, Linkin Park, Loreena McKennitt, Markus Schulz, Marla Glen, Marvin Gaye, Mary Chapin Carpenter, Masterboy, Maxim, Meat Loaf, Melanie, Mellow Trax, Micael Bublé, Michael Jackson, Mike Oldfield, Moby, Mr. X & Mr. Y, Mrs. Greenbird, Natalie Cole, Neil Young, Nick Warren, Of Monsters and Men, Paloma Faith, Paul Anka, Paul Oakenfold, Paul van Dyk, Pet Shop Boys, Philipp Poisel, Pink Floyd, Placebo, Quadriga Consort, Queen, R.E.M., Radiohead, Rammstein, Real McCoy, Rainhard Fendrich, Reinhard Mey, RMB, Robert Cray, Robert Miles, Roger Shah, Roxette, Sander van Doorn, Schiller, Schmidbauer Pollina Kälberer, Secret Garden, Seeed, Seiler & Speer, Shirley Bassey, Sportfreunde Stiller, Stephan Bodzin, Steve Lawler, Sting, STS, Super8 & Tab, Takkyu Ishino, Thomas P. Heckmann, Tina Turner, Tom Jones, Tom Odell, Tracy Chapman, Turntablerocker, U96, UB40, Udo Lindenberg, Underworld, Vaya Con Dios. Und, du wirst lachen, Tim, ab und zu leg ich tatsächlich auch noch mal eine alte Formel-Eins oder Maxi-Dance-Sensation in den CD-Spieler. Flashback to the 90s!

 

Hey, Torsten. Danke für das Interview. Mir hat es großen Spaß gemacht. Schön, dass wir es geschafft haben. Dann kann ich ja jetzt den Bleistift weglegen und ihn nachher daheim zurück in die Kassette stecken. Jetzt gehen wir zum gemütlichen Teil des Abends über. Bock auf Kickern? Ja? Cool.

  

"Traudl, zwei Halbe noch mal bitte! Schreib´s auf mein´ Deckel. Danke dir."