über´n Autor

Also, irgendwie wisst ihr jetzt alle, wie meine Kindheit, meine Jugend und mein Coming-out waren. Oder zumindest wissen es diejenigen von euch, die das Buch mindestens einmal gelesen haben. Und, hey, ich finde, es ist schon längst überfällig, dass wir alle mal erfahren, wer eigentlich hinter diesem Schmöker steckt, welche Storys in der Story autobiografisch sind. Und welche rein fiktiv. Und wer ist überhaupt der Schreiber, der sich diese ganze Geschichte ausgedacht hat? Ist es ein alter Tattergreis, ähnlich wie die leberbefleckte Schrumpelkuh Berta auf Krimhilds Geburtsagsfeier? Oder ist es vielleicht ein recht junger Hüpfer, wie der proletenhafte und dennoch so liebenswerte Macho-Dään, der im Sprücheklopfen Weltmeister sein könnte und jedes Madl angräbt, das halbwegs in sein Beuteschema passt? Womöglich ist es aber auch so ein Pfundskerl wie der Judo-Alex. Oder so ein Hallodri wie der Chipsletten-Toni. Leut', seid's gespannt! Ich hab's geschafft, den Herrn Autor ausfindig zu machen, hab mich mit ihm auf eine halbe Bier - oder zwei - im Bachinger Dorfkrug getroffen und ihm Löcher in den Bauch gefragt. Hier das Sitzungsprotokol:

Hey, Torsten. Da hast du dir ja eine lustig-illustre Geschichte zusammengestrickt - mit mir als Hauptdarsteller. Das hätte ich nie im Leben gedacht, dass ich einmal eine so große Rolle übernehme. Wie kam es eigentlich zur Idee des Buches und wie lange hast du daran geschrieben?

 

Die Idee, ein Buch zu schreiben, schlummerte schon lange in mir. Die Überlegung war immer: Schreibe ich ein Buch über die 80er und 90er Jahre? Oder eine Coming-out-Geschichte? Ich entschied mich für Variante eins und legte die Gay-Story in meinen geistigen Ablageordner. Als ich nach einigen Entwürfen der ersten Seiten und einigen Recherche-Arbeiten im Internet jedoch festgestellt hatte, dass ich nicht der Erste war, der über diesen Zeitraum ein Werk verfasst, dachte ich: Hm, das Rad neu erfinden kannst du zwar eh nicht, aber Krimis und Thriller gibt es ja auch millionenfach. Warum sollte es also nicht auch mehr als ein Buch über die 80er / 90er geben?! Eines nachts kam mir dann der Gedanke: Moment mal, was ist denn mit einer Coming-out-Story, die in dieser Zeit spielt? Ich schüttete beide Zutaten in einen imaginären Mixer, ließ alles auf Stufe fünf kräftig durcheinanderwirbeln und raus kam: Friede, Freude, Coming-out.

 

Die reine Zeit des Schreibens lässt sich allerdings schwer sagen. Immer, wenn ich nach der "normalen" Arbeit Zeit hatte, setzte ich mich ran ans Werk. Und als die Idee der Geschichte in meinem Kopf reif und reifer wurde, lief alles wie von selbst. Es mögen mir meine Freunde verzeihen, denen ich oft mit der Begründung "Ich muss leider heute Abend arbeiten" abgesagt habe, ohne zu erwähnen, dass ich an meinem ersten eigenen Buch schreibe. Ich habe sehr viele Treffen gecancelt, wollte mich abends einfach nur noch zuhause an meinem Schreibtisch verkriechen und den Roman fortführen. Ich schätze einmal vorsichtig, dass ich knapp vier Monate ausgiebig mit Plotten und Schreiben beschäftigt war. Danach hab ich das Buch überarbeitet beziehungsweise Feinschliff betrieben, die Kapitel "rund" gemacht, Denkfehler redigiert, Anschlussfehler korrigiert und, und, und ... Und dann war es irgendwann fertig. Was ich - im Nachhinein betrachtet - etwas schade finde: Ich habe keine Rohfassung des allerersten Manuskriptes, da ich die Änderungen am Buch immer direkt gespeichert habe. Es liegt jedoch eine Vor-Vor-Vorab-Version aus November 2016 auf meinem Rechner.

Du, Torsten. Darf ich dich mal etwas total Bescheuertes fragen? Ja? Prima. Wie viel haben du und ich eigentlich gemeinsam und welche Elemente des Romans hast du tatsächlich persönlich erlebt?

 

Gute Frage, nächste Frage. Zumindest, was die Prozentzahl angeht, kann ich das äußerst schwer sagen. Aber ich denke, dass wir charakterlich ziemlich ähnlich sind: ruhig, aber nicht langweilig. Abenteuerlustig, aber nicht draufgängerisch. Gutgläubig, aber nicht naiv. Verrückt, aber nicht durchgeknallt. Ich würde mal in den virtuellen Raum werfen: Meine und deine Geschichte haben eine 7,378-prozentige Überschneidung.

 

 

Ich habe einen kleinen Hund, Grisu.

 

Und ich habe einen kleinen Hund, Paulchen. Ein Foto hab ich zwar gerade nicht hier im Dorfkrug dabei, aber du findest eins ein Stück weiter unten auf dieser Seite. Du bist auf dem oberbayerischen Land aufgewachsen, ich auf dem niederbayerischen. Ebenfalls wohlbehütet, wie man so schön sagt. Und auch ich habe eine Schwester. Nicht Franzi, sondern Simone, die fast vier Jahre älter ist als ich. Allerdings war ich nie im österreichischen Nirwana, kenne kein älteres Paar, das den Kirchbichlers ähnelt - und auch eine Berta ist mir (Gott sei Dank) fremd. 

Ein Iglu aus den Schneemassen unseres Gartens habe ich aber tatsächlich einmal gebaut. Und was ich zu 95 Prozent genauso erlebt habe wie du, ist die Nummer mit dem Polizisten und der Führerscheinkontrolle. Jedoch nicht auf dem Weg nach München, sondern im Kölner Stadtverkehr. Und im Vergleich zu dir musste ich tatsächlich anrücken, um mir die Fingerabdrücke abnehmen zu lassen.  

 

Torsten, wie viel - in Anführungszeichen - Verschnitt gab es eigentlich? Also, wie viele Seiten oder Kapitel hattest du geschrieben, die letztendlich dann im Schredder und nicht im Buch gelandet sind? Und: Hast du sie noch? 

 

5.677 Wörter beziehungsweise 37.7474 Zeichen. Oder anders: 25 DIN-A-4-Seiten. Wobei ich natürlich sagen muss, dass es oft nur vier- bis fünfzeilige Absätze waren, die im schriftstellerischen Aktenvernichter gelandet sind. Manchmal waren es auch nur einzelne Sätze - wobei das doch eher die Ausnahme war. Meist verschwanden in der Tat halbe Kapitel im laptop'schen Mülleimer. Und bevor dich jetzt die Leser fragen, Tim, ob ich dir diese "never read before"-Szenen überlassen habe? Ja. Ein paar davon hab ich dir gegeben, die du veröffentlichen kannst. Wenn ich mich nicht irre, sind sie hier auf der Homepage zu finden.

 

Ach so, Torsten. Was mir noch einfällt: Wie kamst du auf die Namen der Protagonisten im Buch? Ich habe mal gehört, dass das für einen Autor immer eine ziemliche Herausforderung ist, weil man ja keinen persönlichen Bezug mit Leuten herstellen möchte, die man kennt. Und Baching - das ist ja wie Bielefeld: Das gibt´s gar nicht, oder?

 

Ach ja, das beschaulich-idyllische Baching ... Ist es nicht schön da? Sorry, ich gerate schon wieder ins Schwärmen, wenn ich an eure heißen Sommer am Baggerweiher, an die kalten und feucht-fröhlichen Winterabende im Dorfkrug und eure Geburtstagsfeier denke, Tim. Wie ich auf den Ortsnamen Baching kam? Dafür gibt es eine recht plausible Erklärung. Da in Bayern viele Dörfer und Städte auf "ing" enden und es in Bayern viel Natur, also viele Bäche, gibt, lag Baching nahe. Ich wusste von Anfang an, dass ich eure Geschichte im oberbayerischen Alpenvorland spielen lassen wollte, im Dunstkreis von Starnberg. Bezüglich der geografischen Lage kommt das fiktive Baching dem realen Penzberg recht nahe. Aber nur in Sachen Lage, nicht in Sachen Optik. Denn das Ortsbild von Baching schuf ich 1:1 in meiner Fantasie.

Jetzt willst du bestimmt auch wissen, Tim, ob du von Beginn an der Tim warst, und nicht etwa ein Markus oder Tobias. Ja, Tim, du warst von Anfang an der Tim. Ich wollte einen Namen, der zu dieser Zeit nicht in jeder bayerischen Familie vorkam und der trotzdem irgendwie süß, niedlich, sympathisch klingt. Dein Nachname Gerlacker ist allerdings der mindestens vierte. Jedoch habe ich es versäumt, die vorherigen Namensideen zu Papier zu bringen. Ich weiß noch: Wagner war einer davon.

Lukas hieß auch schon immer Lukas. Ich fand und finde, die beiden Namen passen gut zusammen, haben etwas Vertrautes, nichts Schelmisches, aber dennoch Cooles an sich. Tim und Lukas. Bei deinen Eltern hatte ich erst keine Idee, bis mir die Sätze "Papa Josef. Mama Maria. Und ich? Nein, ich heiße nicht Jesus!" spontan einfielen. Und glaube mir oder nicht, aber es ist wirklich ein Zufall, dass meine Eltern Franz-Josef und Maria-Luise heißen!

 

Die Namen der Dorfclique kamen während des Schreibens. Um einen Wiedererkennunsgwert zu generieren, hab ich dem Leser ein paar Eselsbrücken eingebaut. So heißt Toni nicht einfach nur Toni, sondern Chipsletten-Toni. Und der Alex ist der Judo-Alex, wie die Anne die Gitarren-Anne und der Dään der Macho-Dään ist. Und so weiter. Opa Xavers Name ist komplett erfunden, wobei Oma Seffa eine Anlehnung an die ZDF-Serie "Ich heirate eine Familie" ist, in der eine Joseffa vorkam. Sie war die Haushälterin von Onkel Rudolf aus Wien, dem Onkel von Patchworkpapa Werner Schumann.

 

Erzähl mal, Torsten. Wie aufwendig war die Recherche, was die 80er und 90er Jahre angeht? Du hast ja unheimlich viele Chart-Songs aufgeführt, hast tief in den Klamottenkisten der Kaufhäuser gewühlt und doch sicher zig Fernsehzeitschriften aus anno dazumal durchforstet.

 

 In einem Wort: aufwendig. Vor allem, weil ich die Geschichte erst im Jahr 1989 beginnen ließ - und nicht in dem Jahr, in dem sie nun beginnt: 1987. Aus den verschiedensten Gründen entschied ich mich dann dazu, sie vorzudatieren. Im Jahr 1987 passierte musikalisch gesehen mehr, die 80er waren in ihrer Blütezeit, die TV-Shows auf ihrem Höhepunkt und die 90er waren 1987 noch ein Stück weiter weg als 1989. Ergo musste ich sämtliche Musiktitel, die in den Charts vertreten waren, aktualisieren. Ich musste die Ereignisse anpassen, die Fernsehsendung neu recherchieren und natürlich alle Ausstrahlungsdaten und Veröffentlichungstermine von Langspielplatten etc. neu erforschen. Alles in mühsamer Sisyphusarbeit, da das Manuskript ja schon so gut wie fertig war. Alle Daten, die im Buch vorkommen, sind übrigens authentisch. Sprich, der Bud Spencer & Terence Hill-Streifen lief tatsächlich am 23.07.1987 als ZDF-Wunschfilm. Auch das Pink Floyd-Konzert fand am 04.08.1994 im Münchner Olympiastadion statt. Und "Zum Blauen Bock" mit Heinz Schenk lief am Tag des Adventssingens, am Samstag, den 19.12.1987, mit den im Buch erwähnten Gästen.

Etwas schade finde ich, dass du meinen Kumpel, den Chipsletten-Toni, den Buchtod sterben hast lassen. Musste das denn sein?

 

Wehmütig denke ich an ihn, den Chipsletten-Toni. Wie viel Spaß hat er uns allen doch bereitet ...! Unvergessen sind seine Auftritte als DJ auf eurer Geburtstagsfeier, Tim. Und unvergessen sind auch seine Anbaggerversuche, die Rudy aus Pennsylvania rumzukriegen. Wir haben viel gelacht mit Toni. Und am Ende viel geweint. Ja, Tim. Tut mir wirklich sehr leid um Toni. Aber wie du weißt, gibt es in jedem Roman Helden. Und manch ein Held muss ihn sterben, den Heldentod. In dem Fall war es der Toni, der Chipsletten-Toni.

 

Lass uns doch mal in der Zukunft rumspinnen, Torsten. Wenn Hollywood anrufen würde, um das Buch zu verfilmen - wer sollte deiner Meinung nach welche Rolle übernehmen?

 

Gibt's in Amerika so schöne Kulissen wie den Ort Baching? Ich glaube nicht. Deshalb weiß ich gar nicht, ob Produktionsfirmen aus Hollywood die richtigen Ansprechpartner wären. 

Ich bin durchaus ein Fan deutscher Filme - wenn sie gut gemacht sind! Also, wenn Plot und Drehbuch stimmig, die Schauspieler gut gecastet und die Locations gut gescoutet sind. Somit könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Profis wie Marcus H. Rosenmüller oder Marco Kreuzpaintner die Richtigen wären, sich dem Stoff anzunehmen. Wobei ich in einem Atemzug hinzufügen möchte, dass ich die Hand über Drehbuch und den Cast haben wollen würde. Es gibt so viele gute Bücher, die filmisch miserabel-desaströs bis verheerend-katastrophal umgesetzt wurden. Wer dich, Tim, spielen oder wer Lukas, Traudl oder Franzi verkörpern würde - da hülle ich mich besser mal in Schweigen, da ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht habe.  

 

Ich verrate dir mal was, Torsten. Das Cover finde ich wirklich klasse. Bei wem kann ich mich denn bedanken, dass er mich optisch so gut getroffen hat?

 

Die Idee zum Cover und der Entwurf kamen von mir - siehe die Zeichnung rechts, und sorry dafür, dass ich überhaupt nicht zeichnen kann ... Da ich das Buch zunächst als eBook veröffentlicht habe, konnte ich einen Münchner Grafiker für das Projekt gewinnen, der mir ein Cover gestaltete. Nachdem der Kampenwand-Verlag das Buch in sein Sortiment aufnahm und das "alte" Cover aus rechtlichen Gründen nicht verwendet werden konnte, gab es ein neues. Dies hat eine Grafikerin des Verlages in enger Zusammenarbeit mit mir und "meiner Haus- & Hof-Grafikerin" Nicole aus Köln umgesetzt. Letztere hat übrigens dich grafisch entstehen lassen.

 

Warum hast du das Buch als Selfpublisher veröffentlicht und nicht direkt über einen großen Verlages?

 

Ich denke, dass den Verlagen der "Mumm" fehlte, ein Buch über ein Coming-out zu veröffentlichen. Unverständlicherweise, denn ich habe in den mitgeschickten Pressemitteilung stets offen kommuniziert, dass das Outing einen Anteil von höchstens 30 Prozent hat. Es geht in den anderen 70 Prozent um die 80er und 90er Jahre, um das Aufwachsen und Heranwachsen in dieser Zeit und um das Lebensgefühl in diesen beiden Dekaden in all ihren Facetten. Nachdem das eBook sehr gut ankam und sich gut verkauft hatte, habe ich das "richtige" Buch in Form eines Taschenbuches ebenfalls direkt angekurbelt. Anfang des Jahres 2020 wurde ich über Zufälle und Umwege auf den Kampenwand-Verlag aufmerksam - und nach einem fast 45-minütigen Telefongespräch mit dem Chef beschlossen wir gemeinsam, das Buch professionell zu veröffentlichen und zu vertreiben. 

 

Mal unter uns: Wer ist - außer ich natürlich! - dein Lieblings-Charakter im Buch, und wen kannst du so gar nicht leiden?

 

Klar, Farvorit bist du,Tim. Dich konnte ich nach Lust und Laune so kneten und formen, wie es mir gefiel. Das Schöne an so einem Buch ist ja, dass man als Autor alles mit seinen Protagonisten machen kann, was man will - und die können sich nicht wehren. Aber ich denke, du kannst ganz zufrieden sein mit deiner Entwicklung.

Also, wer mir noch ganz besonders ans Herz gewachsen ist, ist natürlich Lukas. Er ist ein herzensguter Junge mit Humor, lockeren Sprüchen, aber auch mit der gewissen Ernsthaftigkeit, wenn nötig.

Auch wenn er nicht mehr unter uns weilt, so ist mir Chipsletten-Toni ebenfalls sehr ans Herz gewachsen. Seine immer witzige und niemals ernste Art, den ganzen Dorfkrug zu unterhalten ... Er, der sich selbst nie für voll nahm. Er, der immer im Mittelpunkt stand, und das, obwohl er gar nicht groß um die Gunst buhlen musste. Er, der stets aus jeder noch so prekären Situation das Beste machte. Man erinnere sich nur ans Bachinger Schützenfest, als Toni eine frisch gezapfte Maß aufgetrieben hatte, die bei allen der Dorfclique für feuchte Kehlen sorgte.

 

Und dann gibt´s da noch den Daniel, pardon, den Dään, der in Wirklichkeit zwar Daniel heißt, den aber alle nur Dään nannten. Was im Buch nicht steht und was bisher somit niemand weiß: Warum Dään und nicht Daniel? Weil dieser Junge namens Daniel so oft Mist gemacht hat, den sein Gegenüber nur mit einem Augenrollen abtat und mit einem abwinkenden "Daaaaaniel" kommentierten. Als Chipsletten-Toni mal wieder gut einen im Tee hatte, brachte er kein "Daaaaaniel" heraus, sondern lediglich ein verhickstes "Dääääänl". Und aus " Dääääänl" wurde Dään.

 

Und natürlich gibt's noch Grisu, deinen Hund, den wirklich wahren Star der Story!

So, ihr Lieben. Jetzt brauchen Torsten und ich erst mal eine Pause.

 

"Traudl, noch zwei Halbe, bitte!" 

 

Sobald wir die gekippt haben und ich den Torsten beim Kickern hier im Dorfkrug besiegt habe, könnt ihr den zweiten Teil des Interviews lesen. Darin geht´s dann weniger ums Buch und mehr um die Person, die mich zum buchstäblichen Leben erweckt hat.


So, Torsten. Jetzt haben wir über mich und das Buch geplaudert. Ich bin mir sicher, die Leser wollen auch etwas über dich wissen. Schieß los!

 

Also, es war einmal ein junger Bub, der 1978 in Niederbayern geboren ist, 1999 von zuhause auszog und dann irgendwann nach Köln ging, in Hürth landete, wo er sich pudelwohl fühlt. Allerdings weiß ich nicht, ob ich in zehn oder 15 Jahren noch hier wohne. Wie gesagt, ich fühle mich wohl. Aber ich glaube, dass ich irgendwann wieder back to the Roots gehe: Zurück zum Weißwurst-Äquator. Klar, schöne Natur gibt's auch hier, in der Eifel oder im Bergischen Land. Aber mir fehlen dann schon ein bisschen die Berge, die Idylle einfach, die Ruhe. Und die Sprache! Ich kann getrost behaupten, des Hochdeutschen zu 99,9 Prozent mächtig zu sein, freue mich aber immer, wenn ich daheim mal wieder bayerisch reden kann - und darf. Dahoam is' halt dahoam. 

Kurz und knapp: dein Lieblingsplatz zuhause?

Kurz und knapp: meine Dachterrasse.

 

Wo hältst du dich im Sommer gerne auf - außer auf deiner Terrasse?

In der Natur. Mit im Gepäck: mein Hund Paulchen.

 

Und im Winter? 

In der Natur. Als Hundebesitzer bin ich sozusagen wetterfest. Klar macht es mir mehr Spaß, bei Schnee und strahlend blauem Himmel durch die hügelige Eifel zu wandern. Aber solange es nicht stürmt und hagelt, bin ich gerne unterwegs. Ich brauche diese Auszeit auch, um runterzukommen und um die Kreativität anzukurbeln. Den Schalter im Kopf für eine Stunde auf null zu stellen. Sommer wie Winter liebe ich zum Beispiel den Kalscheurer Weiher, ein Naherholungsgebiet im Kölner Süden. Hier entstanden viele, viele Ideen des Buches. Hier findest du mich eigentlich zwei- bis dreimal pro Woche. Falls du und Grisu also mal mitkommen wollen ...

 

Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen?

 

Ich habe bereits im Jugendlichenalter festgestellt, dass mir das Kreative liegt. Und das Schreiben ganz besonders. Ich schrieb Artikel über Veranstaltungen für verschiedene Musik-Zeitschriften, verfasste Plattenkritiken und mit Ende 20 rutschte ich in die Maschinerie des TV-Wahnsinns. Dort entdeckte, förderte und forderte mich mein "Fernseh-Ziehpapa" und vertraute mir sämtliche Texte an, die zu schreiben waren. Ich verfasste Sprechertexte für diverse Unterhaltungs- und Showformate, Moderationstexte für Entertainer, Pressetexte und noch so einiges mehr. 2009 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit, in der ich bis heute mein täglich' Brot verdiene. Hinzu kamen vor geraumer Zeit neue Projekte, wie die textliche Gestaltung von Webseiten für kleine und mittelständische Unternehmen, PR- und Werbetexte für große internationale Event-Agenturen, die Übersetzung englischsprachiger Fernseh-Reportagen ins Deutsche, und ich bin als Journalist für die Rubrik "Events, Festivals & Clubs" eines großen deutschen Musikmagazins zuständig und führe auch Interviews. Näheres findest du auf meiner offiziellen Webiste www.torstenwidua.de.

 

Welches Zitat hättest du am liebsten selbst gesagt? 

 

"Platz ist das einzige, was man nehmen darf, ohne sitzen zu müssen."
(Heinz Erhardt)

 

 

 

Ich liebe ja meinen Seat Ibiza, die Asphaltpartys mit Lukas auf den bayerischen Highways, die Partynächte mit ihm im Kunstpark Ost in München, den Dorfkrug und die Clique, mit der wir immer abhängen, kickern, darten und uns eine Halbe nach der anderen von Wirtin Traudl ausschenken lassen. Was machst du so, wenn der Feierabend eingeläutet ist?

 

Die meiste Zeit verbringe ich - wie du auch - mit Freunden. Mit ihnen und Paulchen fahre ich gerne raus in die Natur, wir machen Städtetrips, touren mit dem Wohnmobil durch die österreichischen Berge, lassen uns die spanische Sonne auf den Pelz scheinen oder sind einfach zuhause bei mir. Ich liebe es, Leute einzuladen, mit ihnen bis tief in die Nacht zu grillen, bei völlig sinnlosen Gesprächen lauthals zu lachen, in meiner Hängematte zu liegen oder einfach in den wolkenfreien Sommerhimmel zu gucken, während ich auf meiner chilligen Lounge liege. Ich kann mich aber ohne Probleme auch ganz allein zuhause zurückziehen, mich mit der Wärmflasche aufs Sofa kuscheln, mich in die Wolldecke einwickeln und Filme oder Serien zu streamen.  

 

Wenn du mich fragst, geht doch nichts über einen Schweinebraten mit Semmelknödel. Dazu ein Weizen. Wenn bei dir der Magen knurrt, gibt's was auf den Teller?

 

Ui, ja. Ich liebe Schweinebraten mit Semmelknödel und Sauerkraut. Das Weizen, das du nimmst, dazu sag ich auch nicht Nein. Ansonsten liebe ich auch die Trattoria um die Ecke. Auch dem griechischen Essen bin ich absolut nicht abgeneigt. Und was das chinesische Buffet mit mongolischem Grill angeht: lecker! Tapas, Enchiladas oder generell die mexikanische Küche: ein Traum. Aber ganz besonders freut sich mein Magen, wenn er in Bayern mal wieder knusprige Brezen bekommt. Oder ein Wiesn-Hendl, einen Obatzda oder eine ganz stinknormale Leberkäs-Semmel.  

 

2002 - also in acht Jahren - werde ich meine eigene Eventagentur place2be gründen und zum Erfolg führen, wie im Buch nachzulesen. Was wäre beruflich dein größter Wunsch?

 

Das ist leicht: weitere Bücher schreiben. Gerne eins, das sich so häufig verkauft wie Harry Potter. Zum Beispiel die Fortsetzung deiner Geschichte. Ich habe aber auch noch ein paar andere Ideen im Hinterstübchen, wie die reale Biografie eines bekannten deutschen Musik-Managers.

 

 

Obwohl der erste Teil von "Zurück in die Zukunft" schon neun Jahre her ist, finde ich den Film immer noch spitze. Was läuft bei dir zuhause so auf der Mattscheibe und wer guckt mit?

 

Du wirst lachen, Tim, aber die "Zurück in die Zukunft"-Trilogie habe ich tatsächlich auch zuhause. Ansonsten mag ich total gerne Horrorfilme wie die Neuverfilmung "Es" oder das gute alte "Scream", witzige Actionstreifen wie "Knight & Day", klamaukartige Filme wie "Die nackte Kanone", den wirklich sehr lustigen Film "Willkommen bei den Hartmanns" und den durchgeknallten Blockbuster "The Wolf of Wallstreet". Best Movie ever ist aber für mich derzeit "Sicario" - Drehbuch, Cast, Musik und Mood sind einfach brillant. Dann kenne ich fast alles von Loriot, Roseanne, Knight Rider, Nikola und Ritas Welt auswendig. Ich finde Serien wie "Homeland", "The Good Wife", "Shameless", "Mord mit Aussicht" oder "Pastewka" großartig. Die bayerische Heimat hole ich mir gerne mit den Eberhofer-Krimis nach Hause. #DankeAmazon

Hey, Torsten. Danke für das Interview. Mir hat es großen Spaß gemacht. Schön, dass wir es geschafft haben. Dann kann ich ja den Bleistift weglegen und ihn nachher daheim zurück in die Kassette stecken. Jetzt gehen wir zum gemütlichen Teil des Abends über. Bock auf Kickern? Ja? Cool.

  

"Traudl, zwei Halbe noch mal bitte! Schreib´s auf mein´ Deckel."